Sonntag, 28. November 2010

Schnee

Gestern morgen bin ich aufgewacht, und es war Winter! Der erste Schnee hat alles überzuckert, es war eisig kalt und die Sonne hat geschienen. Das tolle Wetter habe ich sofort für einen Lauf durch die Schneelandschaft genutzt. Der Schnee ist relativ schnell geschmolzen, aber immerhin war er ein sicheres Anzeichen dafür, dass Weihnachten immer näher rückt - und nächste Woche soll noch mehr Schnee kommen. Mal sehen, wie die Engländer damit so zurecht kommen....
Samstag Nachmittag war ich mit einigen Mädels in Birmingham. Am Dienstag feiert nämlich eine von ihnen Geburtstag, und das Thema ist: Schlumpf. Alle sollen sich als Schlümpfe verkleiden, und dafür brauchten einige noch Klamotten. Aber ich kann euch versichern, ein Primarkt mitten in Birmingham ist nicht der Ort, an dem man sich an einem Samstag Nachmittag aufhalten sollte - es war einfach total überfüllt, und an den Kassen standen die Schlangen kilometerweit. Ich habe mir in Birmingham zwar keine Schlumpfsachen, aber dafür Handschuhe und ein Shirt fürs Fußballspielen gekauft.

Heute morgen lag zwar kein Schnee, dafür hat mir aber das Internet-Thermometer -10°C angezeigt!!! Wahnsinning kalt, wie ich dann auch beim Laufen gemerkt habe. Danach habe ich echt ne Weile gebraucht, um wieder warm zu werden. Trotzdem habe ich es dann gewagt, in die Stadt zu fahren, einige Erledigungen gemacht und ab gings dann mit Wärmflasche und Buch ins Bettchen - den 1. Advent habe ich mit Weihnachtsmusik und Lesen gut rumgekriegt.

Montag, 22. November 2010

Das vorletzte Novemberwochenende...

...ist jetzt auch schon vorbei und ich fange an, nicht mehr die Wochen, sondern die Tage zu zählen - mit heute noch 26! Zwar habe ich am Wochenende in Worcester endlich mal einen Coffeeshop gefunden, der ein wenig Berliner Flair hatte (viiiiiieeeeel Auswahl und tolle Ledersofas), aber ich kann es gar nicht mehr erwarten, endlich wieder in die Hauptstadt zu kommen!

Am Samstag abend habe ich im Dom von Worcester ein Chor- und Orchesterkonzert besucht. Die Karte hatte ich mir ja letzte Woche sehr spontan gekauft, und ich muss sagen: Es hat mir total gut gefallen. Wenn ich Klassik im Radio oder auf CD höre, mag ich Chorgesang nicht so gerne, aber live ist das etwas anderes. Besonders beeindruckend waren die Solosänger, die das erste Stück akzentfrei auf Deutsch (es war Mozart und Mendelsohnabend) über die Bühne brachten und mit voluminösen Stimmen überzeugten. Auch das Orchester war gut, wenn auch nicht besonders groß. Das Publikum bestand überwiegend aus älteren Leuten und Familien der Chor- und Orchestermitglieder. Als solche wussten zum Glück alle, dass zwischen den Akten nicht geklatscht wird. Insgesamt war es ein sehr sehr schöner Abend, bis auf den Fakt, dass es im Dom relativ kalt war und ich ziemlich gefroren habe. Als ich danach an der Bushaltestelle mit Wintermantel, Mütze und Handschuhen so vor mich hin zitterte, hielt direkt vor meiner Nase auf einmal eine laaaaaaaaaaange Limosine, und nacheinander kamen ca. 10 jugendliche Mädels (ich würde sie auf 16, 17 schätzen) heraus. Ich bin fast umgefallen vor Entsetzen: Bei ca. 5 Grad hatte jede von ihnen ein miniminimini-Kleidchen an, und 10m Absatzschuhe! Mir wurde direkt beim Zugucken nochmal kälter, aber den Mädels hat das anscheinend gar nichts ausgemacht, dass sie im Winter (ja, so fühlt es sich an) fast nackt draußen herumspringen (obwohl - springen ist vielleicht der falsche Ausdruck, das ist ja unmöglich in diesen Schuhen). Ob die Eltern wussten, dass ihre Kinder viel zu wenig anhatten?!

Am Sonntag stand dann das nächste Fußballspiel auf dem Programm. Es war immer noch richtig kalt, aber bei der Bewegung auf dem Platz hat das eigentlich nichts ausgemacht. Das Spiel hat gut angefangen, und obwohl die gegnerische Mannschaft stärker war als die letzte Woche, konnten wir immerhin 10 Tore erzielen. Ich habe auch eins geschossen und durfte wieder in der Startelf mit dabei sein. Dieses Mal hat Ryan mich auch nicht am Anfang der zweiten Halbzeit vom Platz genommen, sondern wahrscheinlich hätte ich durchspielen dürfen, wenn nicht.....ja, wenn es nicht in der 65. Minute ne Verletzungspause gegeben hätte, und wir durch das lange Rumstehen nicht ziemlich kalt geworden wären. Zwar haben wir versucht, uns ein wenig weiterzubewegen, und Ryan hat uns zwei Bälle gegeben, damit wir warm bleiben, aber der Schiri, der sowieso sehr schlecht gearbeitet hat, verbot diese Art von Erwärmung. Und dann kam es, wie es kommen musste: Gleich beim ersten Sprint nach dieser Pause merkte ich, wie sich mein rechter Oberschenkelmuskel schon wieder so blöd zusammenzog. Aber statt, wie beim letzten Mal, noch 10 Minuten weiterzuspielen, ließ ich mich sofort auswechseln, damit die Verletzung nicht schlimmer wird. Und es hat funktioniert: Heute merke ich gar nichts mehr und hoffe, dass das Bein morgen beim Training hält.

Jetzt steht wieder eine Woche Arbeit bevor, und weil alles so läuft wie immer, gibt es weiter gar nichts Spannendes zu berichten. Außer vielleicht, dass Lis jetzt vor hat, für Selena einen Gameboy zu kaufen, da sie damit im nächsten Jahr dann auch spielen würde - genau wie Sascha, der auch einen hat und super oft damit beschäftigt ist! Selena wird ihren wohl zu Weihnachten bekommen, wenn Lis bis dahin einen billigen findet, und für Sascha hat sie schon ein paar Spiele besorgt, damit er ein wenig Abwechslung hat.

Mittwoch, 17. November 2010

15:0 und mein erster Hattrick

Am letzten Sonntag war nun mein erstes Spiel für Worcester United, und nach langem Zittern (ich glaube, ich war noch nie so aufgeregt vor einem Fußballspiel) kam dann kurz vor dem Spiel auch die Erlösung: Ich durfte in der Startelf mitspielen. Zwar nicht auf meiner eigentlichen Position, dem linken Mittelfeld, sondern als Unterstützerin für die Torschützin direkt hinter der Sturmspitze. Diese Position hatte ich im Training schon mal ausprobiert, und zusammen mit Ellie, der Stürmerin, klappte das auch wirklich gut.
Die erste Halbzeit war dann auch so, wie der Trainer Ryan sich das vorstellt: Laut Auswertung gestern beim Training waren das die besten 45 Minuten, die er je bei Worcester United gesehen hat - und er wird an die nationalen Zeitungen schreiben, ob die nicht Interesse an einem Bericht über diese unglaubliche Mannschaft hätten. Ich habe mich auf dem Spielfeld auch super wohl gefühlt und habe in der ersten Halbzeit zwei Tore geschossen und drei vorbereitet. Die 45 Minuten kamen mir wie 20 vor, und in der Halbzeitpause war ich überhaupt nicht erschöpft - und froh, dass Ryan mich weiterspielen ließ, denn am Rand standen 5 Auswechselspieler, die alle ihren Einsatz bekommen sollten. Ryan gibt jedem Spieler die Chance, so viel Spielzeit wie möglich zu bekommen (naja, zumindest denen, die es in die Auswahl schaffen, es sind ja immer noch 8 bis 10 Mädels, die sich gar nicht erst umziehen dürfen), weswegen er zur Halbzeitpause oft großflächige Auswechslungen vornimmt. Aber nachdem ich nach ca. 10 Minuten der 2. Halbzeit meinen Hattrick perfekt machte und mein 3. Tor schoss, musste ich doch vom Platz - und war natürlich sehr enttäuscht. Aber Ryan bestätigte mir nochmals, dass mein Auftritt auf dem Platz super war und ich bin deswegen auch für den nächsten Sonntag optimistisch, dass ich spielen darf (auch wenn das Training gestern nicht sooooo toll war). Hier ist der Link zur Website von Worcester United, mit dem Spielbericht vom Sonntag und dem Teamfoto: http://worcesterunitedladies.vpweb.co.uk/MATCH-REPORTS.html

So, genug vom Fußball....am Sonntag Abend war ich mit 5 anderen Mädels (Colette, Di, Ellie, Jude und Em, den "üblichen Verdächtigen") noch beim Chinesen essen. Das Restaurant ist riesig groß, und es gibt dort ein super leckeres Buffet, das sogar recht billig ist. Während wir dort saßen und aßen, wurde auf einmal die Hintergrundmusik ausgeschaltet und dafür das Lied "Happy Birthday" aufgedreht. Nichtsahnend habe ich natürlich lauthals mitgesungen - bis plötzlich der Kellner mit einem Stück Kuchen + Kerze und so einem albernen Partyhut vor mir stand. Ich wollte mich erst wehren und den Irrtum aufklären, aber da sah ich, dass die anderen Mädels so gar nicht überrascht aussahen und ließ mir vom Kellner den Hut aufsetzen und bließ brav die Kerze aus. Und als Ellie mir dann mit den Worten: "English tradition!!!" den Kuchen ins Gesicht drückte, wurde mir vollends klar, welchen fiesen Plan die 5 ausgeheckt hatten. Nein, ich fand es wirklich super lustig und habe mich sehr gut amüsiert!
Nach dem Essen sind wir zu Di gefahren und haben "Wayne Rooney's Street Kick" geguckt, einer Show, in der jugendliche Trickfußballer vor Rooney spielen und um den Sieg in der Show kämpfen - wirklich sehr beeindruckend, was die Jungs und Mädels so drauf haben!!!

Für nächsten Samstag habe ich mir ein Ticket für einen Weihnachtschor im Dom von Worcester gekauft, und als ich Lis davon erzählt habe, fragte sie, ob ich in Berlin auch immer so viel unternehme, und als ich das bejahte, meinte sie: "Siehst du, dein Leben fängt gerade an, und meins geht zu Ende." Als ich entgegnete, dass mit 38 das Leben doch noch lange nicht zu Ende geht, antwortete sie: "Bei mir passiert nicht mehr viel, das glaub mal." Das klingt wirklich depressiv, und ich glaube, dass sie die Hauptschuld dieser Misere, in der sie sich glaubt zu befinden, den Kindern - bzw. sich selbst dafür, dass sie die Kinder bekommen hat - gibt und den Eindruck hat, dass die Kleinen sie daran hindern, das Leben zu führen, dass sie gerne führen würde.
Naja, heute noch genau ein Monat und ich bin weg von hier!!!

Freitag, 12. November 2010

Fernsehverbot?!

Das Fernsehverbot, dass Sascha heute morgen für drei Tage von seiner Mutter bekommen hat, hat genau bis heute Nachmittag gehalten. Als ich gegen 16.30 Uhr vom Fitnessstudio nach Hause kam, saßen Sascha, Selena und Lis vor der Flimmerkiste. Und - keine große Überraschung - der Apparat in Saschas Zimmer steht auch immer noch an Ort und Stelle. Wenn er morgen früh seine Augen aufschlägt, kann er also wie gewohnt simultan auch den Fernseher anschalten. Wo bleibt da die Konsequenz?!!

Clearance done...

Erst einmal die gute Nachricht der Woche: Meine International Clearance ist endlich durch, und ich darf nun offiziell für jeden englischen Club Fußball spielen. Der Deutsche Fußballbund hatte 30 Tage Zeit, sich auf die Anfrage aus England zu melden, dies hat er nicht getan und - tadaa - die Clearance ist daraufhin automatisch in Kraft getreten. Am Dienstag dann das erste Training, in dem auch ich den andauernden Konkurrenzkampf zu spüren bekommen habe, und gestern die Gewissheit: Ich bin am Sonntag dabei! Ich hoffe natürlich darauf, nicht nur als Auswechselspieler die zweite Halbzeit spielen zu dürfen, sondern möchte in der Startelf beginnen, Daumen drücken, dass das auch klappt.

Sonst läuft hier alles seinen gewohnten Gang: Lis' Leben erhält ab Sonntag Abend nach eigener Aussage wieder einen Sinn, denn dann beginnt im TV die neue Staffel von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus. Das Dschungelcamp" (diese Sendung, wo E- bis Z-Prominente im Dschungel Würmer essen müssen oder sich in Badeklamotten in einen Madensarg legen müssen). Und Sascha läuft hier zu Hochtouren auf: Heute morgen hat er sich schon wieder auf den Boden geschmissen, geschrien und hat dann, als er zum Frühstückstisch kam, mit Daumen im Mund und Trotzgesicht vor seinem Porridge gesessen und hat nichts gegessen. Selena hingegen hat alles aufgegessen und dafür von Lis eine Medaille bekommen - das muss Sascha angespornt haben, sodass auch er sich nach ca. 15 Minuten dazu herabließ, sein Frühstück zu essen. Daraufhin erhielt auch er eine Medaille (was mich stark gewundert hat, als er mir diese präsentiert hat). Und als er dann wieder einen Tobsuchtsanfall vom Feinsten hatte, weil er sich nicht entscheiden konnte, welche Schuhe er für den Non-Uniform-Day heute tragen sollte, explodierte Lis und formulierte seine Strafe: Kein Fernsehen heute oder am Wochenende, und der Fernseher aus seinem Zimmer wird entfernt. Dies ist nun eine Herausforderung für beide, und ich bin gespannt, wie sie diese meistern werden.

In der Schule habe ich letzte Woche eine Stunde Sportunterricht miterlebt und kann nur sagen: Das war der schlechteste Sportunterricht, den ich je erlebt habe. Es gab keine Erwärmung, die Kinder wurden in vier Mannschaften eingeteilt, und während zwei Mannschaften gegeneinander versucht haben, Ball zu spielen, waren die anderen beiden Mannschaften unbeschäftigt und turnten auf irgendwelchen Geräten rum, was ihnen eigentlich verboten worden war. Sehr interessant für mich, so etwas einmal mitzuerleben! Wenn wir so etwas in der Uni präsentiert hätten, hätten wir aber ein seeeeeeeeeeeeehr langes Auswertungsgespräch gehabt hinterher, stimmts, Frau Oesterreich ;-)
Heute ist in der Pause eine Lehrerin ohnmächtig geworden (sie hat in letzter Zeit wohl viel Stress, und nimmt auch noch irgendwelche Tabletten, die ihr offensichtlich nicht so gut bekommen). Alle Lehrer waren natürlich sehr besorgt, und wollten sie nach Hause bringen - aber sie wollte unbedingt da bleiben, weil schon ihre Teaching Assistant fehlte und sie ihre Klasse nicht im Stich lassen wollte. Nach Tee, Banane und Keksen versprach sie hoch und heilig, dass es ihr schon besser ginge und war pünktlich zum Unterrichtsbeginn wieder in ihrer Klasse - das nenne ich mal ne Arbeitseinstellung!!

Mittwoch, 3. November 2010

"Berlin. Is that in Germany?"

Gestern beim Fußballtraining. Ich unterhalte mich mit einer Spielerin, die fragt, warum ich noch nicht spielen kann und erkläre, dass es Schwierigkeiten mit meiner International Clearance gibt, weil ich noch für einen Club in Berlin spiele. Daraufhin sie: "Berlin. Is that in Germany?" Und ich: "Mh, yeah, it's the capital." Sie: "Oh. Well, I always mix up Berlin and Belfast."

Und dann heute beim Line Dance fragt mich doch tatsächlich meine Lieblingsmittänzerin, ob ich mal Ballett gemacht habe, weil ich mich so anmutig bewege. HA!

Malvern Hills






























Weil das Fußballspiel am Sonntag ausgefallen ist (das andere Team hatte abgesagt, weil sie nicht genug Spielerinnen zusammen bekommen haben), hatten wir "nur" Training - was für mich natürlich super war, weil ich auf diese Weise auch mal sonntags Fußball spielen konnte.
Nach dem Training sind Colette, Ellie, Jude, Di und ich dann auf die Malvern Hills gefahren. Die Berge sind hier ganz in der Nähe, ca. 30 Minuten mit dem Auto. Und man kann dort wunderbar hinaufwandern (leider sogar ganz ohne klettern) und hat einen tollen Ausblick über Worcestershire, das County, in dem wir uns hier befinden. Und wie ihr seht, haben wir auch viele tolle Fotos gemacht und hatten unseren Spaß dabei...
Nach unserer Wanderung sind wir zu Di nach Hause gefahren, haben lecker Wraps gemacht und das sonntäglich Pflichtprogramm - X-Factor - im TV geguckt. Ein sehr gelungener Halloweensonntag also!