Sonntag, 31. Oktober 2010

A big night out











Am Freitag war es soweit: Ich war auf eine Halloweenparty eingeladen und musste mir also Gedanken darum machen, als was ich mich "verkleiden" sollte. Die Engländer sind ja wirklich mit Leib und Seele dabei bei ihrem Halloween. Schon seit Wochen gibt es alles Mögliche rund um dieses "Fest" zu kaufen, und es gibt sogar eigene Läden, die nur Halloweenzeugs verkaufen....Dieser Umstand hat den Vorteil, dass alles relativ billig ist, schließlich wollte ich mich wegen so einer Party nicht in Unkosten stürzen. Und wie ihr seht, war mein Kostüm am Ende auch relativ einfach, dafür aber wirkungsvoll: Eine Binde, ein bißchen Theaterblut, das wars. Sah sehr echt aus und hat nur 1,27 Pfund gekostet.
Die Party sollte in einem Pub stattfinden, deren Besitzer der Vater einer Freundin einer Freundin und so weiter irgendwie kannte. Insgesamt muss ich sagen: Eine große Enttäuschung. Sehr lame alles, im Pub selbst saßen verkleidete Engländer, die entweder ihre Pommes aßen oder Bier tranken. Sehr gewöhnungsbedürftig für mich, ganze Familien verkleidet zu sehen: Die Mutter als Vampir, der Vater als Geist und das Kind als Hexe, alle mit häßlichen Masken...Es gab weder Musik, zu der getanzt wurde, noch irgend etwas anderes aufregendes, weswegen wir schnell wieder zurück zu einer Fußballerin gefahren sind. Dort haben wir uns die Zeit vertrieben, bis wir uns gegen 23.30 Uhr aufgemacht haben in die Stadt, um erst einmal etwas trinken und dann tanzen zu gehen. Es gab ne Liveband und später Musik vom DJ, die relativ gut war. Wir hatten jede Menge Spaß und waren erst gegen 3 Uhr wieder zurück. Ich habe bei einer Fußballerin übernachtet, damit wir uns das Taxi nach Hause teilen konnten.
Mit Ausschlafen war dann am nächsten Morgen leider nix: Ich musste früh raus, um wieder hierher zu fahren, laufen zu gehen und dann die Kinder zu übernehmen, weil Lis ins Fitnessstudio wollte. Und abends war hier im Dorf ein Halloweenfest in der Dorfhalle, zu der ich mit musste, weil Lis dort arbeitete und ich den ganzen Abend den Kindern hinterherrennen musste. Es gab ein riesengroßes Feuerwerk, währenddessen Selena non-stop geheult hat, und als wir gegen 21 Uhr wieder zu Hause waren, sind beide Kinder dermaßen müde gewesen, dass sie ganz schlimm geweint und gejammert haben. Lis hat sie angeschrien und ins Bett gepackt und ist danach losgefahren zu ihrer Freundin in eine Nachbarstadt, um feiern zu gehen. Sie hat dort übernachtet, kommt erst heute Mittag zurück und freut sich schon darauf, die Kinder dann Mittagsschlaf machen zu lassen, wenn sie hier verkatert rumhängt.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Halloween Vorbereitungen








Weil Lis heute arbeiten war, hatte ich beide Kinder den ganzen Tag. Vormittags haben wir Halloween vorbereitet und einen Kürbis geschnitzt. Dank Saschas Kreativität ist das Ergebnis "the bestest and scariest pumpkin ever". Aus dem Kürbisfleisch habe ich versucht, eine Suppe zu kochen. Dabei ist es dann auch geblieben: Obwohl ich mich mehr oder weniger ans Rezept gehalten hatte, schmeckte das Zeug nach gar nichts mit Zwiebel. Ich habs also weggeschüttet und gebe hiermit das Kochen auf - zumindest hier in England.
Nachmittags haben die Kinder und ich einen langen Spaziergang gemacht - wobei, gegangen bin nur ich, denn Selena saß im Buggy und Sascha hatte sein Fahrrad dabei. Und seitdem (es ist jetzt 19.15 Uhr) spielen die zwei mit Lotti, einem Nachbarsmädchen und ihrem kleinen Bruder Alfie (heißt genau wie unsere Katze ;-)).


Morgen gehe ich auf meine erste Halloweenparty. Eine Fußballerin hat alle eingeladen, und so bin ich losgezogen, und habe mir so etwas wie ein Kostüm besorgt. Ich werde Fotos machen...und bin schong gespannt, wie es wird.

Montag, 25. Oktober 2010

Halbzeitpause in London








































8 weeks to go - naja, sogar weniger, denn ich fliege ja an einem Freitag, und nicht an einem Montag. Am 17. Dezember lande ich wieder in Deutschland, den Flug habe ich zusammen mit Papa gebucht. Ich fliege zwar nach Hamburg, weil es von Birmingham keinen Direktflug nach Berlin gibt, aber das gibt mir Gelegenheit, erstmal meine Schwester in Lübeck zu besuchen.

Die Halbzeitpause habe ich bei Kristin in Maidenhead verbracht. Weil Lis und die Kinder übers verlängerte Wochenende in einen Karavanpark irgendwo südlich von hier gefahren sind, hatte auch ich frei und habe die Zeit genutzt, um aus diesem Nest hier mal rauszukommen. Am Freitag morgen bin ich 2,5h hin gefahren und wurde von Kristin und ihrer Freundin Caro, die gerade aus Deutschland zu Besuch war, vom Bahnhof abgeholt. Und natürlich von Libby, einem der drei Au Pair Kinder von Kristin. Die Eltern und die zwei großen Brüder sind seit Dienstag auf Malta, und deswegen spielt Kristin eine ganze Woche lang fulltime mummy für die Kleine (14 Monate). Glücklicherweise hat aber der Opa das Kind Samstag übernommen, sodass wir nach London fahren konnten. London am Wochenende ist aber nicht ganz so einfach, wie man sich das vorstellt: An den Wochenenden werden alle Arbeiten an den Untergrundbahnen erledigt, weswegen ganze Linien gesperrt werden und auf anderen Linien nur sehr eingeschränkter Verkehr gewährleistet wird. So strandeten auch wir schon sehr bald (nach einer U-Bahn Station, um genau zu sein) irgendwo in London, und mussten uns mit dem Bus durchschlagen. Einfach gesagt, aber als wir unseren Bus gefunden hatten, und dieser in die Haltestelle einfuhr, zeigte sich London von seiner schönsten Seite: Ein Mann mit einem Kampfhund an der Leine (ohne Maulkorb) stieg ein. Der Busfahrer verbot ihm den Einstieg mit Hund, aber der Mann machte sich nichts daraus und ist in das obere Busstockwerk gestiegen. Der Busfahrer hatte aber seinen konsequenten Tag und rief daraufhin die Polizei, auf die dann natürlich erstmal gewartet werden musste. Da der nächste Bus nur ein paar Minuten später kommen sollte, sind wir raus und haben wieder gewartet. Und waren froh, als unser Bus um die Ecke bog....ABER er fuhr einfach an der Haltestelle vorbei! Nachdem wir noch eine Weile gewartet hatten, überlegte es sich der Hundehalter anders und stieg doch aus dem Bus aus. Weil aber nun wiederrum der nächste Bus um die Ecke bog, und der erste so unglaublich voll war, stiegen wir in den zweiten. Gerade, als die Türen zugehen und der Bus losfahren wollte - da sprang der Mann mit Hund aus einer Ecke hervor, sprintete zum Bus und stieg ein!!! Wir konnten unser Glück kaum fassen und dachten schon, wir müssten unseren London Tag an dieser windigen Bushaltestelle verbringen. Aber der Busfahrer von diesem Bus störte sich nicht weiter am Mann mit Hund und fuhr los - und ließ uns rätseln, warum und wieso ein Hund im Bus vorher so ein Problem gewesen war!
Wir konnten also doch noch ein paar Dinge sehen und haben das Touri-Programm in Kurzvariante genommen: Oxford Street, Piccadilly Circus, Trafalgar Square, Buckingham Palace, Big Ben (von weitem) und Tower Bridge. Weil Caro und Kristin in der Nacht vorher von Libby wach gehalten worden waren, waren sie entsprechend ko und müde und wir sind relativ früh, gegen 17 Uhr, wieder zurück nach Maidenhead gefahren, wo wir uns einen entspannten Abend gemacht haben.
Am Sonntag morgen bin ich wieder zurück nach Worcester gefahren, damit ich pünktlich zum Anstoß am Spielfeldrand stehen konnte und den Mädels bei ihrem 17:0 Sieg zujubeln konnte. Da sich die Mannschaft erst im April diesen Jahres neu gebildet hat, mussten sie in der untersten Liga einsteigen, und dafür sind die klar überqualifiziert. Was die Spiele einerseits natürlich etwas langweilig macht, aber andererseits haben sie so Zeit, sich auszuprobieren und sich aneinander zu gewöhnen. Und es ist umso frustrierender, nur zugucken zu können!!!
Den Sonntag Abend habe ich dann ganz in Ruhe hier "zu Hause" verbracht. Lis und die Kinder kommen erst heute Nachmittag wieder und ich habe es genossen, das Haus mal ganz für mich zu haben - und heute morgen ausschlafen zu können ;-)
Jetzt werde ich mich den letzten knapp 8 Wochen stellen und denke, dass ich die gut rumkriegen werde. Nächste Woche ist erstmal Halloween, auf das ich schon gespannt bin, und am 5. November ist die Geburtstagsparty einer Fußballerin, auf die ich auch eingeladen bin. Es gibt also immer wieder Dinge, auf die ich mich freuen kann!

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Papabesuch

So, jetzt sind diese schönen Tage auch schon wieder vorbei und mein Papa ist wieder zurück in Deutschland. Aber wir hatten wirklich eine tolle Zeit, haben viel Fußball geguckt und Stratford-upon-Avon besucht, mein persönliches England-Highlight!

Letzten Samstag ist er morgens in London gelandet und war dann mittags hier. Zusammen haben wir noch ca. 1 Stunde auf die Kinder aufgepasst, dann kam Lis und hat sie übernommen und wir zwei sind mit dem Fahrrad in die Stadt und in Papas Hotel gefahren, dass wir ihm gebucht hatten. Dort haben wir uns die Laufklamotten übergeworfen und sind erstmal ein Stündchen joggen gewesen. Abends sind wir dann in verschiedenen Pubs gewesen und haben Fußball geguckt (die englische Liga).

Sonntag morgen mussten wir früh raus, joggen, und dann ab zum Fußball nach Hereford: Meine Mädels hatten dort ein Auswärtsspiel, und das haben wir uns angesehen. Meine Freundin hat uns netterweise im Auto mitgenommen, und als wir dann im Konvoi mit den anderen Spielerinnen und dem Trainer auf dem Weg durch die Stadt an einer Bahnschranke warten mussten, erinnerte sich Ellie sofort an das Spiel, dass ich ihnen auf den Weg in den Vergnügungspark letzte Woche beigebracht hatte: Man rät, ob der Zug von rechts oder links kommt, und wenn man verloren hat, muss man ganz schnell aus dem Auto springen, eine Runde rumlaufen und wieder rein springen, bevor die Schranke sich öffnet. Wir haben also alle unsere Tips abgegeben und als der Zug kam, mussten drei oder vier von uns dann ums Auto laufen. Die Spielerinnen, die vor und hinter uns in den Autos saßen, haben sich darüber gewundert, sind dann aber auch ausgestiegen und um ihre Autos gelaufen - ohne zu wissen, warum eigentlich! War auf jeden Fall eine sehr lustige Aktion auf dem Weg zum Spiel.
Weil ich ja leider immer noch nicht spielen darf, bleibt mir nichts anderes übrig, als jeden Sonntag am Spielfeldrand zu stehen und sie wenigstens anzufeuern. Diesmal hat es allerdings nichts gebracht: Die Mädels haben 2:1 verloren, obwohl sie eigentlich die bessere Mannschaft waren.
Abends hatte Lis Papa und mich zum Essen eingeladen. Sie hat Hühnchen mit Gemüse gemacht, also "Sunday Roast", und nachdem wir auch das hinter uns gebracht hatten, sind wir zwei wieder in die Stadt, um im Pub Fußball zu gucken (die italienische Liga) und Billiard zu spielen.

Montag musste ich arbeiten, und Papa war auch hier und hat mir mit den Kindern geholfen. Nachmittags waren wir auf dem Spielplatz, und Papa und Sascha haben eine Feuerstelle gebaut, die Sascha unbedingt seiner Mama zeigen wollte. Er hat ihr ganz aufgeregt davon erzählt, und wollte, dass sie mit ihm am nächsten Tag auf den Spielplatz geht, um es ihr zu zeigen. Leider hat Lis das dann aber nicht gemacht, und Sascha war etwas enttäuscht darüber. Am Montag abend wollten wir eigentlich in einer Halle in Birmingham Fußball mit den Mädels spielen, aber weil das ausgefallen ist, sind wir in den Laufclub gefahren. Ich habe Papa die Tännminitemeilinggruppe rausgesucht und bin selbst wieder bei den Äihtfortiefeiwer mitgelaufen. Nach einer Stunde haben wir uns wiedergetroffen und Papa hat es, trotz anfänglicher Bedenken, sehr gut gefallen, in der Gruppe zu laufen.

Ich habe dann in Papas Hotel mit übernachtet, damit wir am nächsten Morgen (Dienstag) gleich früh losstarten konnten: Nach Stratford. Die Bahnfahrt dorthin dauert etwas über zwei Stunden, weil man über Birmingham fahren muss, und so waren wir mittags dort. Die Stadt hat mich mit ihren schönen alten englischen Häuschen sofort beeindruckt. Alles ist auf Shakespeare ausgerichtet, es gibt natürlich zahlreiche Shops, die Andenken, Bücher oder Schokolade aus Shakespeares Zeiten verkaufen. Und sein Geburtshaus steht mitten in der Haupteinkaufsstraße. Weil der Eintritt relativ teuer war und Papa schon einmal dort gewesen ist, bin ich alleine in Shakespeares Geburtshaus gegangen und habe unglaublich viel über den Dichter erfahren - und sofort ganz viele Ideen für eine Klassenfahrt gehabt, die man mit Oberstufenschülern nach Stratford machen könnte. Wir haben uns auch das Grab Shakespeares in der städtischen Kirche angesehen und das Denkmal, dass für ihn gebaut wurde. Leider hatten wir keinen Fotoapparat mit, aber Bilder von Stratford gibt es im Internet zur Genüge, falls ihr interessiert seid...
Abends sind wir wieder zurück gefahren, und in Birmingham mussten wir uns trennen: Papa ist mit dem Bus nach London gefahren, von wo aus am Mittwoch ganz früh sein Flugzeug zurück nach Berlin ging, und ich bin nach Worcester gefahren, wo ich 7:30pm Training hatte.

Morgen fahre ich ganz früh in die Nähe von London nach Maidenhead, um endlich Kristin zu besuchen (wenn ich schon keinen eigenen Besuch mehr haben darf, fahre ich eben selbst weg...). Ich werde bis Sonntag bleiben und dann schauen, wie sich die nächste Woche gestaltet. Denn Sascha hat dann Ferien, und eigentlich soll der Vater die Kinder ein paar Tage nehmen. Aber ob das klappt, steht noch nicht so genau fest. Ich werde das also ganz in Ruhe abwarten und auf mich zukommen lassen. Und euch natürlich auf dem Laufenden halten!

Freitag, 15. Oktober 2010

Line Dance and Family Life

Das zweite Mal bin ich diese Woche zum Line Dance gegangen - einer Veranstaltung bei der ich in Berlin niemals auf die Idee kommen würde, dieser beizuwohnen. Aber hier ist alles anders, und weil mein Mittwoch Abend noch nicht verplant war und ich letzte Woche so begeistert von den lieben Menschen war, habe ich beschlossen, regelmäßig hinzugehen. Man stelle sich also vor: Ein kleines Dorf im Nirgendwo, in dem eine Gemeindehalle steht. In dieser Gemeindehalle treffen sich jeden Mittwoch nach Einbruch der Dunkelheit ca. 15 Menschen zwischen 50 und 75 Jahren zum Tanzen. Der Leiter der Gruppe hat ein Mikrophon vor dem Mund, ähnlich dem, die die Profs in der Uni immer benutzen. Weil Line Dance aus dem Amerikanischen kommt, hängt vorne an der Musikanlage eine amerikanische Flagge, wie in einem alten Hollywood-Streifen (auch die ältere, geschminkte Frau mit den blond gefärbten und geföhnten Haaren ist da).
Wenn es losgeht, stellen sich die 3 Männer und 12 Frauen zwischen 50 und 75 (und neuerdings auch ich) in Linien/Reihen auf, und los gehts: Zu "moderner" Musik (die neuesten Songs sind ca. 2 Jahre alt) oder zu Beatles-Songs wird in Blockaufstellung und ohne eine emotionale Regung der Gesichtsmuskeln oder der Oberkörper getanzt. Wahlweise können die Hände, da sie beim Line Dance nicht gebraucht werden, auch in die Hosentaschen gesteckt werden. Zwischendurch wird immer mal wieder Pause gemacht, damit sich alle ein bißchen unterhalten können. Wie gesagt, die Leute dort sind sowas von lieb: Gestern haben sie sich darum gestritten, wer mich nach Hause fahren darf, weil sie es zu gefährlich fanden, mich nachts 21.30 Uhr noch durchs ganze Dorf laufen zu lassen (gut, es gibt keine Straßenlaternen, aber ich hatte ne Taschenlampe - und soooo groß ist ja das Dorf nicht).
Das Tanzen an sich ist aber auch ganz nett. Vor allem ist es etwas komplizierter, sodass mein Gehirn endlich auch mal ein bißchen etwas zu tun bekommt. Nach zwei Stunden ist das Tanzen dann vorbei und alle verabschieden sich, um in der nächsten Woche hoffentlich gesund wieder zu kommen.

Und nun noch ein paar Schilderungen aus dem Family Life, damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie es sich hier so lebt. Selena hat seit ungefähr einer Woche eine ganz schlimme Phase. Sie hört noch weniger als vorher auf das, was wir ihr sagen (dass sie z.B. nicht alleine raus gehen soll, sich nicht immer die Schuhe der Mutter anziehen soll, nicht auf der Treppe spielen soll) und sagt entweder gar nichts oder "no", und macht dann fröhlich weiter. Hindert man sie dann daran, dass zu tun was sie möchte, haut oder kneift sie uns, schmeißt sich dann auf den Boden und schreit aus vollem Halse. Gestern war ich ja wieder in der Spielgruppe, und wieder mal hat sie nicht mit den anderen Kindern gespielt. Weil aber ein Mädchen einen Spielbuggy hatte, hat sie die Kleine geschubst, gekniffen, und wollte sich gerade den Buggy unter den Nagel reißen, als ich sie davon abgehalten habe (Folge: Geschrei...).
Sascha hingegen war heute sehr lieb, aber gestern gab es draußen einen kleinen Zwischenfall: Er hat nämlich vor dem Haus mit ein paar Nachbarskindern gespielt. Alle hatten Roller oder Fahrräder dabei und haben ein Wettrennen gemacht. Weil ein Mädchen aber schon 6 und damit 2 Jahre älter als Sascha ist, hat sie immer gewonnen. Jedesmal, wenn Sascha sah, dass er keine Chance auf den Sieg hat, hat er angehalten, das Fahrrad auf den Boden geschmissen und sich daneben gelegt. Nachdem er das dreimal gemacht und ich ihn zweimal gewarnt habe, habe ich ihm das Fahrrad weggenommen, woraufhin er sich in eine Ecke gesetzt hat, den Daumen in den Mund gesteckt, den Kopf immer wieder an dort aufgestapelte Autoreifen geschlagen und gesagt hat: "I'm the silliest boy ever.". Wenn eine Tür oder eine Wand in der Nähe ist, schlägt er seinen Kopf auch dagegen, oder er haut sich selbst. In solchen Momenten kann man nicht mit ihm reden, weil die einzige Reaktion heftiges Geschrei oder Wutausbrüche sind. Erst nach einer Weile kann er sich dann beruhigen.
Und weil das alles so ist, und v.a. weil Selena wirklich super anstrengend ist zur Zeit ist Lis mit den Nerven ein bißchen am Ende. Die Kinder waren ja Anfang der Woche drei Tage beim Vater, aber Sascha hatte dort wohl ein bißchen Heimweh und wollte nach Hause zur Mami. Und als er sich dann morgens am Frühstückstisch mal nicht gut benommen hat, meinte Lis zu ihm: "Wenn du nicht artig bist, schicke ich dich wieder zu deinem Vater." Und heute hat sie gestöhnt: "Ich wünschte, ich hätte die Kinder schon mit 18 oder 20 Jahren gehabt, dann wären sie jetzt 18 und ich hätte meine Ruhe." Sie sieht auch, dass sie ihre Kinder zu oft anschreit und zu häufig mit ihnen schimpft, aber sie kann es nicht ändern. Das tut mir sehr leid, für alle, weil ihr offensichtlich alles so unglaublich schwer fällt, und sie an ihren Kindern keine Freude zu haben scheint. Dadurch gibt es kein harmonisches Familienleben, eher wird jeder Tag als neuer Kampf betrachtet. Denn auch ihr Job (Sozialarbeiterin in einem Krankenhaus) scheint Lis keinen Spaß zu machen: Wegen einer Erkältung hatte sie sich Montag und gestern krank gemeldet, war aber den ganzen Tag auf den Beinen und wäre auch abends mit einem Nachbarn ausgegangen, wenn der sich nicht im Datum der Veranstaltung gerirrt hätte.
Manchmal fühle ich mich deswegen unwohl, aber weil ich außerhalb des Hauses viel Ablenkung habe, ist es okay. Und diese Woche sowieso: Denn morgen kommt Papi für vier Tage zu Besuch!!

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Alton Towers











Die erste gute Nachricht dieser Woche: Die Heizungen wurden endlich ausgetauscht. Eigentlich hätte das schon vor drei oder vier Wochen passieren sollen, aber die Bauarbeiter sind dann doch nicht gekommen (das ist typisch für England), und nun wurden neue (also Bauarbeiter) bestellt, die seit Montag hier im Haus sind und alle Heizkörper austauschen, sodass bald geheizt werden kann. Darüber bin ich sehr froh, denn mittlerweile haben wir Temperaturen um die 10Grad, was meiner Meinung nach schon ganz schön kalt ist. Ich friere draußen und auch im Haus - aber das ändert sich hoffentlich bald.

Gestern bin ich mit drei Fußballermädels zu den Alton Towers gefahren, einem Vergnügungspark. Mit dem Auto haben wir dorthin zwei Stunden gebraucht, weswegen wir auch ziemlich früh los sind, um viiiiieeeel Zeit dort zu haben. Und es war wirklich klasse. Der Park war nicht sehr voll, sodass wir an den Fahrgeschäften nur jeweils 10 bis 30 Minuten anstehen mussten. Ich habe alles mitgemacht, auch wenn mir bei einigen Sachen nicht wohl zumute war: Bei der Achterbahn, deren Gondeln sich während der Fahrt in sich gedreht haben, oder bei "Air", einer Achterbahn, deren Sitze sich vor der Fahrt um 90 Grad neigen, sodass man Superman-ähnlich im Liegen fährt. Da hatte ich ein bißchen Angst, dass die blöden Gurte versagen...Und gerade, als die Mädels mich überredet hatten, auch noch das Schlimmste aller Fahrgeschäfte zu nehmen, diese Kopfüber-Schaukel, ist diese zum Glück für mich stecken geblieben (siehe Foto). Als das Karussel ausging, hing es glücklicherweise gerade nicht über Kopf, aber es hat schon ne Weile gedauert, die Leute dort runterzuholen.
Wir haben auch Fahrfotos gekauft, auf denen mein leicht angespannter Gesichtsausdruck während der Karusselfahrt sieht - die werden mal nachgereicht, wenn ich sie bekomme. Hier jetzt erstmal eine kleine Fotoauswahl: Der Park ist schon geschmückt für Halloween, Ellie hat beim Ball-in-den-Eimer-werfen ein Plüschtier gewonnen (das arme Ding hat leider das Swollen-Head-Syndrome), und die drei Mädels, mit denen ich unterwegs war: Jude, Di und Ellie.
Es war zwar etwas kalt, und am Ende des Tages waren wir auch ziemlich erschöpft und müde, aber es war wirklich toll im Park. Wir sind gegen 17 Uhr zurück gefahren, weil wir ja pünktlich halb 8 auf dem Platz stehen mussten: Training. Das lief gestern für mich auch echt super, und ich hoffe sehr, dass meine International Clearance diese Woche fertig wird, sodass ich ENDLICH auch mal spielen kann...
Heute war ich wieder mal in der Schule, und gleich werde ich Sascha von dort abholen. Er und Selena waren die letzten zwei Tage beim Vater, weil hier im Haus wirklich Chaos herrschte. Lis hat mir vorhin erzählt, dass Sascha gestern abend angerufen hat um zu fragen, ob er nach Hause kommen darf. Lis meint aber, das würde er sagen, um ihr einen Gefallen zu tun, weil er weiß, dass sie den Vater nicht ausstehen kann - er wäre da also sehr zwiegespalten. Der arme kleine Kerl, mit 4 Jahren kriegt er schon viel zu viel mit vom Streit seiner Eltern!

Freitag, 8. Oktober 2010

Schwesternbesuch

Sooooo, jetzt habe ich lange nichts mehr von mir hören lassen, aber das hatte auch den besten Grund: Meine Schwester und mein Schwager waren nämlich ein paar Tage hier zu Besuch. Leider sind sie gestern wieder losgefahren, aber die Zeit mit ihnen war echt toll. Der Reihe nach...

Letzten Sonntag waren wir bei einer Freundin von Lis zum "Sunday Roast" eingeladen, einem Sonntagsessen bestehend aus Fleisch, ganz vielen verschiedenen Gemüsearten, Yorkshire-Pudding (so ne Art Blätterteig) und Röstkartoffeln. Die Eltern der Freundin und deren drei Jungs waren auch da, sodass es am Tisch etwas eng war, aber trotzdem sehr sehr nett. Nach dem Essen kam im Fernseher "X-Factor", Deutschland sucht den Superstar für England, voll angesagt. Und weil wir es bis zum Beginn der Sendung nicht mehr nach Hause geschafft hätten, sind wir eben da geblieben. Die Kinder, die normalerweise um 7 Uhr ins Bett gehen, mussten deswegen bis 9 Uhr wach bleiben. Dementsprechend war Sascha dann am nächsten Tag in der Schule und am Nachmittag. Die Priorität hätte meiner Meinung nach hier an einer anderen Stelle liegen sollen!!!

Montag war es dann endlich soweit: Jaschke und Bente sind eingeflogen und wurden von Lis aus Birmingham abgeholt. Nachmittags halb vier waren die zwei hier. Weil untypischerweise superschönes Wetter war, haben wir uns gleich mal die Kids geschnappt und sind mit ihnen auf den Spielplatz gegangen. Sascha und Selena hatten viel Spaß damit, alle Kastanien aufzusammeln, die ich von einem Baum geschüttelt hatte und diese auf einen Kastanienhaufen zu schmeißen. Abends kam Lis, die zwischendurch noch beim Arzt war, mit Fish and Chips nach Hause und wir haben gemeinsam Abendbrot gegessen. Dabei kamen Jaschke und Bente auch gleich in den Genuß einiger Lebensweisheiten von Lis: Keine Kinder, und wenn, dann nur eins, aber bitte nicht so bald, wenn man Kinder hat, ist das Leben quasi vorbei. Heute meinte sie übrigens: Was habe ich bloß falsch gemacht im Leben, dass ich diese Kinder habe?!
Nun ja, abends haben wir jedenfalls zusammen Siedler gespielt und sind dann relativ früh, gegen 23Uhr ins Bettchen. Denn....

...am Dienstag haben wir einen wunderschönen Tag in Worcester verbracht. Wir sind morgens mit dem Bus hin, wobei Studenten umsonst mitfahren durften (bin ich ja nun leider nicht mehr - Jaschke, vergiss nicht, mir deinen Ausweis zu kopieren) und haben erstmal einen kleinen Bummel durch die Innenstadt gemacht. Ich habe Jaschke den schönsten Klamottenladen gezeigt, und ihr zum Geburtstag eine tolle Hose und eine schöne Strickjacke geschenkt. Ich selbst habe mir mal wieder nen Rock gekauft. Mittags haben wir dann im Pizza Hut "All you can eat" Buffett gehabt und uns dann mit vollen Bäuchen an den Kanal gelegt und Mittagsschlaf gemacht. Und dann Papierschiffe gebastelt, sie schwimmen lassen und mit Kastanien beschossen :-) Zurück in der Stadt haben wir noch ausführlicher in die Geschäfte geschaut, dies und das gekauft und die Zeit lesend im Subways verbracht. Und haben uns schließlich aufgemacht zum Fußballtraining. Jaschke hat selbstverständlich mittrainiert, und dieses Mal gab es eine Überraschung: Wir haben einen neuen Kunstrasenplatz mit tollem Flutlicht, sodass der Trainer beschlossen hat, ein Turnier spielen zu lassen. Jeweils 6 Mädels, 4 Mannschaften. Und der Preis: Die Mädels der Mannschaft, die gewinnt, sind für das Spiel am Sonntag gesetzt! Und weil in der Mannschaft ja ein ständiger Konkurrenzkampf herrscht, standen die Mädels so unter Druck, dass einige sogar weinen mussten vor Angst vor dem Finale! Meine International Clearance ist immer noch nicht durch, deswegen war das Ganze für mich nicht soooo aufregend, aber Spaß hat es gemacht. Nach dem Training (Jaschkes Mannschaft hatte übrigens gewonnen!) hielt der Trainer dann noch eine Motivationsrede für das Sonntagsspiel, die ungefähr so ging: "This Sunday is the hardest game ever. This team (das Gegnerische) hates you. They fucking hate you. They want to beat you. They want to fucking humiliate you. But we ARE better, we ARE the best team ever. We can beat them. We will fucking beat them. I have been waiting for this game. You have been waiting for this game. And you...........to be continued." Faktisch hat er uns darauf vorbereitet, am Sonntag unbewaffnet in den Krieg zu ziehen!
Nach dem Training hat meine Freundin Di uns und unsere vielen Tüten nach Hause gefahren.

Mittwoch wollten wir eigentlich nach Stratford-upon-Avon und Shakespeares Geburtshaus ansehen. Aber das englische Bahn- und Bussystem ist so unglaublich schlecht, dass wir für eine 30min Strecke mehr als 2 Stunden gebraucht und 11Pfund bezahlt hätten. Deswegen sind wir zu Hause geblieben, haben gechillt, viel gelesen, Backgammon gespielt und Sport gemacht: Wir sind nämlich zum Tesco gejoggt (ca. 4 km entfernt), haben dort eingekauft und sind dann zurück getrampt. In nem richtig poshen Auto sogar, und da hat Lis behauptet, trampen ginge in England gar nicht, und wir bräuchten es gar nicht erst zu versuchen.
Abends sind wir dann zu dritt zum Line-Dance gegangen. Was genau das ist, wussten wir vorher auch nicht, aber ich hatte gelesen, dass das jeden Mittwoch von 7.45 bis 9.30Uhr in den Räumen der örtlichen Parish Hall, einer Halle für alle möglichen Veranstaltungen (Vorschule, Toddlers Group....) statt findet. Wir sind also hin und wurden von ca. 15 Mitgliedern des Kurses begrüßt: Alle ü60, aber soooooooowas von lieb!! Der Kurs ist nämlich, entgegen der Aussage im Internet, nicht für Anfänger, sondern für Könner. Aber wir sollten trotzdem einfach mitmachen, was wir natürlich auch getan haben, und hatten unseren Spaß dabei. Bei manchen Tänzen konnten wir mithalten, bei anderen haben wir einfach zugesehen und uns mit den lieben Omis unterhalten. Auf dem Rückweg wurden wir mit dem Auto mitgenommen, obwohl wir es ja nicht weit zu laufen hatten, aber hier in Littleworth gibt es keine Straßenlaternen, und es war einfach so dunkel, dass wir NICHTS erkennen konnten und immer vom Gehweg abgekommen sind.
Line Dance ist übrigens ein ziemlich emotionsloser Tanz, der in Blockaufstellung mit vielen Drehungen und Über-Kreuz-Schritten getanzt wird. Beim Tanzen muss man sich wirklich konzentrieren, und das tut mir in dieser Zeit, in der ich mein Hirn quasi gar nicht fordere, sehr gut. Deswegen werde ich das also in mein wöchentliches Programm mit aufnehmen und nun jeden Mittwoch zum Line-Dance gehen (und natürlich, weil die Omis dort einfach so nett sind).

Donnerstag war leider schon der letzte Tag von Jaschke und Bente. Wir hatten die Kinder, und nachdem wir Sascha in die Schule gebracht und in Ruhe gefrühstückt hatten, sind Jaschke und ich mit ihr zusammen in die Kindergruppe gegangen. Während Bente an seiner Bachelorarbeit gearbeitet hat, sah Jaschke geschockt mit an, wie Selena andere Kinder schubste, wenn sie ihnen zu nahe kamen oder ihnen die Spielzeugkinderwagen entriss und deren Puppen hinausschmiss. Ich hatte ja schon einmal angedeutet, dass Selenas Sozialverhalten noch nicht weit entwickelt ist, und dass sie mit anderen Kindern nicht spielt, sondern höchstens mit ihnen kämpft. Aber für Jaschke war diese Ausmass dann doch shocking. Und wir haben einige Freundinnen von Lis getroffen, die meinten: "Wie geht es Lis? Die ist doch immer so desperate und will immer clubben gehen. War sie denn jetzt mal unterwegs?" Und als Selena einem ihrer Jungs das Spielzeug entriss: "Kein Problem, er ist schon an Selena gewöhnt, sie macht das immer so." Die süße Selena kann eben auch wirklich ein kleines Teufelchen sein!
Nachmittags haben die Kinder draußen gespielt, wir nebenbei aufgeräumt, Sachen gepackt, Saschas Fahrrad repariert usw. Und wir haben gekocht. Das wollten wir als Dankeschön an Lis machen, weil Jaschke und Bente hier wohnen durften. Und weil wir ja nicht kochen können, hatten wir Eierkuchen vorgeschlagen, die wir dann mit Käse und Schinken füllen wollten. Davon war sie aber nicht begeistert, weswegen wir Wraps gemacht haben mit Geflügelfleisch, Käse, Salat und verschiedenen Soßen. Als Lis von der Arbeit kam, waren wir fast fertig, der Tisch gedeckt, und sie sagte: "Was ess' ich denn jetzt? Und was sollen die Kinder essen?". Offensichtlich haben wir also mit dem Essen nicht ihren Geschmack getroffen. Sie hat sich dann Nudeln vom Vortag aufgewärmt.
Nach dem Essen mussten wir dann Tschüß sagen. Lis hat Jaschke und Bente nach Birmingham gefahren, wo sie gerade so ihren Zug nach London Stansted bekommen haben. Ihr Flieger ging heute früh um 5Uhr, und gegen 8 Uhr waren sie wieder bei sich zu Hause. Ich bin jetzt natürlich traurig, dass unsere schöne Zeit schon vorbei ist. Aber für Lis war der Besuch offensichtlich anstrengend oder nervig, denn ich darf nun keinen Besuch mehr bekommen. Klar, Papa kommt ja nächste Woche für ein paar Tage, aber der wohnt sowieso in einem B&B. Aber Marti wollte mich im November für ein paar Tage besuchen kommen, und das darf sie leider nicht.

Heute, Freitag, war ich in der Schule. Das Arbeiten dort macht mir wirklich Spaß, und die Kinder brauchen auch soviel Hilfe bei ihren Aufgaben, dass ich wirklich etwas tun kann. Ich bin immer bis mittags da, weil nachmittags sowieso Veranstaltungen wie Baumschule und Schwimmen auf dem Programm stehen, wo ich nicht wirklich viel helfen kann.
Nachmittags war ich im Fitnessstudio, und jetzt muss ich mich erstmal um alles kümmern, was in den letzten vier Tagen liegen geblieben ist. Diesen Blog zum Beispiel. Aber jetzt seid ihr wieder upgedatet und wisst Bescheid!