Sooooo, jetzt habe ich lange nichts mehr von mir hören lassen, aber das hatte auch den besten Grund: Meine Schwester und mein Schwager waren nämlich ein paar Tage hier zu Besuch. Leider sind sie gestern wieder losgefahren, aber die Zeit mit ihnen war echt toll. Der Reihe nach...
Letzten
Sonntag waren wir bei einer Freundin von Lis zum "Sunday Roast" eingeladen, einem Sonntagsessen bestehend aus Fleisch, ganz vielen verschiedenen Gemüsearten, Yorkshire-Pudding (so ne Art Blätterteig) und Röstkartoffeln. Die Eltern der Freundin und deren drei Jungs waren auch da, sodass es am Tisch etwas eng war, aber trotzdem sehr sehr nett. Nach dem Essen kam im Fernseher "X-Factor", Deutschland sucht den Superstar für England, voll angesagt. Und weil wir es bis zum Beginn der Sendung nicht mehr nach Hause geschafft hätten, sind wir eben da geblieben. Die Kinder, die normalerweise um 7 Uhr ins Bett gehen, mussten deswegen bis 9 Uhr wach bleiben. Dementsprechend war Sascha dann am nächsten Tag in der Schule und am Nachmittag. Die Priorität hätte meiner Meinung nach hier an einer anderen Stelle liegen sollen!!!
Montag war es dann endlich soweit: Jaschke und Bente sind eingeflogen und wurden von Lis aus Birmingham abgeholt. Nachmittags halb vier waren die zwei hier. Weil untypischerweise superschönes Wetter war, haben wir uns gleich mal die Kids geschnappt und sind mit ihnen auf den Spielplatz gegangen. Sascha und Selena hatten viel Spaß damit, alle Kastanien aufzusammeln, die ich von einem Baum geschüttelt hatte und diese auf einen Kastanienhaufen zu schmeißen. Abends kam Lis, die zwischendurch noch beim Arzt war, mit Fish and Chips nach Hause und wir haben gemeinsam Abendbrot gegessen. Dabei kamen Jaschke und Bente auch gleich in den Genuß einiger Lebensweisheiten von Lis: Keine Kinder, und wenn, dann nur eins, aber bitte nicht so bald, wenn man Kinder hat, ist das Leben quasi vorbei. Heute meinte sie übrigens: Was habe ich bloß falsch gemacht im Leben, dass ich diese Kinder habe?!
Nun ja, abends haben wir jedenfalls zusammen Siedler gespielt und sind dann relativ früh, gegen 23Uhr ins Bettchen. Denn....
...am
Dienstag haben wir einen wunderschönen Tag in Worcester verbracht. Wir sind morgens mit dem Bus hin, wobei Studenten umsonst mitfahren durften (bin ich ja nun leider nicht mehr - Jaschke, vergiss nicht, mir deinen Ausweis zu kopieren) und haben erstmal einen kleinen Bummel durch die Innenstadt gemacht. Ich habe Jaschke den schönsten Klamottenladen gezeigt, und ihr zum Geburtstag eine tolle Hose und eine schöne Strickjacke geschenkt. Ich selbst habe mir mal wieder nen Rock gekauft. Mittags haben wir dann im Pizza Hut "All you can eat" Buffett gehabt und uns dann mit vollen Bäuchen an den Kanal gelegt und Mittagsschlaf gemacht. Und dann Papierschiffe gebastelt, sie schwimmen lassen und mit Kastanien beschossen :-) Zurück in der Stadt haben wir noch ausführlicher in die Geschäfte geschaut, dies und das gekauft und die Zeit lesend im Subways verbracht. Und haben uns schließlich aufgemacht zum Fußballtraining. Jaschke hat selbstverständlich mittrainiert, und dieses Mal gab es eine Überraschung: Wir haben einen neuen Kunstrasenplatz mit tollem Flutlicht, sodass der Trainer beschlossen hat, ein Turnier spielen zu lassen. Jeweils 6 Mädels, 4 Mannschaften. Und der Preis: Die Mädels der Mannschaft, die gewinnt, sind für das Spiel am Sonntag gesetzt! Und weil in der Mannschaft ja ein ständiger Konkurrenzkampf herrscht, standen die Mädels so unter Druck, dass einige sogar weinen mussten vor Angst vor dem Finale! Meine International Clearance ist immer noch nicht durch, deswegen war das Ganze für mich nicht soooo aufregend, aber Spaß hat es gemacht. Nach dem Training (Jaschkes Mannschaft hatte übrigens gewonnen!) hielt der Trainer dann noch eine Motivationsrede für das Sonntagsspiel, die ungefähr so ging: "This Sunday is the hardest game ever. This team (das Gegnerische) hates you. They fucking hate you. They want to beat you. They want to fucking humiliate you. But we ARE better, we ARE the best team ever. We can beat them. We will fucking beat them. I have been waiting for this game. You have been waiting for this game. And you...........to be continued." Faktisch hat er uns darauf vorbereitet, am Sonntag unbewaffnet in den Krieg zu ziehen!
Nach dem Training hat meine Freundin Di uns und unsere vielen Tüten nach Hause gefahren.
Mittwoch wollten wir eigentlich nach Stratford-upon-Avon und Shakespeares Geburtshaus ansehen. Aber das englische Bahn- und Bussystem ist so unglaublich schlecht, dass wir für eine 30min Strecke mehr als 2 Stunden gebraucht und 11Pfund bezahlt hätten. Deswegen sind wir zu Hause geblieben, haben gechillt, viel gelesen, Backgammon gespielt und Sport gemacht: Wir sind nämlich zum Tesco gejoggt (ca. 4 km entfernt), haben dort eingekauft und sind dann zurück getrampt. In nem richtig poshen Auto sogar, und da hat Lis behauptet, trampen ginge in England gar nicht, und wir bräuchten es gar nicht erst zu versuchen.
Abends sind wir dann zu dritt zum Line-Dance gegangen. Was genau das ist, wussten wir vorher auch nicht, aber ich hatte gelesen, dass das jeden Mittwoch von 7.45 bis 9.30Uhr in den Räumen der örtlichen Parish Hall, einer Halle für alle möglichen Veranstaltungen (Vorschule, Toddlers Group....) statt findet. Wir sind also hin und wurden von ca. 15 Mitgliedern des Kurses begrüßt: Alle ü60, aber soooooooowas von lieb!! Der Kurs ist nämlich, entgegen der Aussage im Internet, nicht für Anfänger, sondern für Könner. Aber wir sollten trotzdem einfach mitmachen, was wir natürlich auch getan haben, und hatten unseren Spaß dabei. Bei manchen Tänzen konnten wir mithalten, bei anderen haben wir einfach zugesehen und uns mit den lieben Omis unterhalten. Auf dem Rückweg wurden wir mit dem Auto mitgenommen, obwohl wir es ja nicht weit zu laufen hatten, aber hier in Littleworth gibt es keine Straßenlaternen, und es war einfach so dunkel, dass wir NICHTS erkennen konnten und immer vom Gehweg abgekommen sind.
Line Dance ist übrigens ein ziemlich emotionsloser Tanz, der in Blockaufstellung mit vielen Drehungen und Über-Kreuz-Schritten getanzt wird. Beim Tanzen muss man sich wirklich konzentrieren, und das tut mir in dieser Zeit, in der ich mein Hirn quasi gar nicht fordere, sehr gut. Deswegen werde ich das also in mein wöchentliches Programm mit aufnehmen und nun jeden Mittwoch zum Line-Dance gehen (und natürlich, weil die Omis dort einfach so nett sind).
Donnerstag war leider schon der letzte Tag von Jaschke und Bente. Wir hatten die Kinder, und nachdem wir Sascha in die Schule gebracht und in Ruhe gefrühstückt hatten, sind Jaschke und ich mit ihr zusammen in die Kindergruppe gegangen. Während Bente an seiner Bachelorarbeit gearbeitet hat, sah Jaschke geschockt mit an, wie Selena andere Kinder schubste, wenn sie ihnen zu nahe kamen oder ihnen die Spielzeugkinderwagen entriss und deren Puppen hinausschmiss. Ich hatte ja schon einmal angedeutet, dass Selenas Sozialverhalten noch nicht weit entwickelt ist, und dass sie mit anderen Kindern nicht spielt, sondern höchstens mit ihnen kämpft. Aber für Jaschke war diese Ausmass dann doch shocking. Und wir haben einige Freundinnen von Lis getroffen, die meinten: "Wie geht es Lis? Die ist doch immer so desperate und will immer clubben gehen. War sie denn jetzt mal unterwegs?" Und als Selena einem ihrer Jungs das Spielzeug entriss: "Kein Problem, er ist schon an Selena gewöhnt, sie macht das immer so." Die süße Selena kann eben auch wirklich ein kleines Teufelchen sein!
Nachmittags haben die Kinder draußen gespielt, wir nebenbei aufgeräumt, Sachen gepackt, Saschas Fahrrad repariert usw. Und wir haben gekocht. Das wollten wir als Dankeschön an Lis machen, weil Jaschke und Bente hier wohnen durften. Und weil wir ja nicht kochen können, hatten wir Eierkuchen vorgeschlagen, die wir dann mit Käse und Schinken füllen wollten. Davon war sie aber nicht begeistert, weswegen wir Wraps gemacht haben mit Geflügelfleisch, Käse, Salat und verschiedenen Soßen. Als Lis von der Arbeit kam, waren wir fast fertig, der Tisch gedeckt, und sie sagte: "Was ess' ich denn jetzt? Und was sollen die Kinder essen?". Offensichtlich haben wir also mit dem Essen nicht ihren Geschmack getroffen. Sie hat sich dann Nudeln vom Vortag aufgewärmt.
Nach dem Essen mussten wir dann Tschüß sagen. Lis hat Jaschke und Bente nach Birmingham gefahren, wo sie gerade so ihren Zug nach London Stansted bekommen haben. Ihr Flieger ging heute früh um 5Uhr, und gegen 8 Uhr waren sie wieder bei sich zu Hause. Ich bin jetzt natürlich traurig, dass unsere schöne Zeit schon vorbei ist. Aber für Lis war der Besuch offensichtlich anstrengend oder nervig, denn ich darf nun keinen Besuch mehr bekommen. Klar, Papa kommt ja nächste Woche für ein paar Tage, aber der wohnt sowieso in einem B&B. Aber Marti wollte mich im November für ein paar Tage besuchen kommen, und das darf sie leider nicht.
Heute,
Freitag, war ich in der Schule. Das Arbeiten dort macht mir wirklich Spaß, und die Kinder brauchen auch soviel Hilfe bei ihren Aufgaben, dass ich wirklich etwas tun kann. Ich bin immer bis mittags da, weil nachmittags sowieso Veranstaltungen wie Baumschule und Schwimmen auf dem Programm stehen, wo ich nicht wirklich viel helfen kann.
Nachmittags war ich im Fitnessstudio, und jetzt muss ich mich erstmal um alles kümmern, was in den letzten vier Tagen liegen geblieben ist. Diesen Blog zum Beispiel. Aber jetzt seid ihr wieder upgedatet und wisst Bescheid!